CLOWNS (2019)

Bühne / Kostüme: Michaela Kirsche

Premiere: 17.03.2019 Theater Altenburg-Gera / Theater Altenburg

Wiederaufnahme: 05.06.2020 Theater Altenburg-Gera / Theater Gera

mit Mitgliedern des Schauspiels der Ensemble Theater Altenburg-Gera & Teatrul National Craiova

Foto: Ronny Ristock für Theater&Philharmonie Thüringen

Eine Gruppe Clowns findet sich in einem leeren, verlassenen Raum wieder. Nichts ist hier. Viel ist zu tun. Gemeinsam versucht die Truppe, ihr zu Hause wiederaufzubauen, eine neue Gesellschaft zu formen. Doch der Schein der vermeintlichen schöpferischen Freiheit trübt. Schnell geraten die Clowns an ihre Grenzen. Die tradierten Werte und Hierarchien sind tief in ihnen verankert. So stehen die philosophischen Weißclowns nach wie vor in der Hierarchie über den dummen Augusten. Dafür sind die tolpatschigen Kollegen beliebter beim Publikum.

Eingefahrene Mechanismen zu überwinden, sich wieder neu und ohne Vorurteile kollegial zu begegnen ist eine Herausforderung für alle Seiten. Die Freiheit muss sich erkämpft, Grenzen überwunden oder neu gesetzt werden. Doch es wird ihnen gelingen. Während die Clowns im ersten Teil der Performance noch an ihre Grenzen stoßen und Konflikte neu verhandeln müssen, feiern sie im zweiten Teil ein umso rauschenderes Fest. Sie erlernen ihre Fähigkeiten, das Publikum zu verzaubern, wieder und entdecken neue Talente untereinander. In die alte Welt kommt neue Farbe und so zelebrieren die Clowns das Leben, wie es nur in einer so bunten Gemeinschaft gefeiert werden kann.

Presse:

„Mit einer Bruchlandung landet der Kerl in rot-weiß-gestreiftem Turneranzug hart auf dem Bühnenboden. Sein Traum vom Fliegen zerplatzt ein Mal, zwei Mal, drei Mal. Zu guter Letzt fangen ihn seine Clown-Kollegen auf, tragen ihn auf ihren Armen. Die Botschaft ist simpel: Nur gemeinsam sind wir stark. Und sie ist als Aufruf an Europa, an die Europäer gemeint. Denn das bilaterale Kooperationsprojekt „Clowns“ soll nicht nur „physische Grenzerfahrung“ sein, sondern über Grenzen hinweg verbinden.
[…]
Das Europathema ist dabei allerdings nur lose zu erahnen, man kann auch Anderes in die Szenen hineininterpretieren. Das ist nicht schlimm, im Vordergrund steht ja die Performance. Diese gewinnt nach der Pause an Stärke, als die Inszenierung verstärkt auf die Kleinkunst setzt.
[…] Auch wenn die Mitklatschelemente im Hochkulturrahmen ein bisschen komisch wirken, sie passen in diese Inszenierung. Da wird der Radetzky-Marsch plötzlich mit Trillerpfeifen gegeben. Immer wieder ist ein Clown oder eine Clownin beim Scheitern zu sehen, man lacht, weint, ist zusammen.
[…] einfach großartig agiert Daria Ghițu. Von Sekunde eins klebt man an ihrer Clownin, die gerade einem Stummfilm entsprungen zu sein scheint. Ihr Gang, ihre Blicke und Handbewegungen sind hoch präzise und dennoch von einer charmanten, einnehmenden Leichtigkeit. Ihr und den anderen beiden zuzusehen, macht einfach Freude – und verdeutlicht, wie viel Bewegungskunst auch in der angeblich bloß auf Unterhaltung abzielenden Kleinkunst steckt.“
Tobias Prüwer, Die deutsche Bühne

„Die Aufführung von „Clowns“ am Landestheater Altenburg ist sowohl Zirkus wie auch Theater – und zeigt damit auch die Spannung, die sich zwischen diesen Polen aufbaut. […]
Danach geht der Eiserne Vorhang auf und man sieht eigentlich nichts: nackte Bühnentechnik, null Illusion. Hier geht das Clownsspiel los, das sehr improvisiert wirkt, pur. Diese Reibung, dieser Theaterprachtbau, und dann dieses arme Theater mit maximal ein paar Luftballons und Konfetti, das ist ein sehr effektvolles Setting. Und es macht Spaß zuzugucken.
[…] Es ist ja auch der ganze Abend ein Stück ohne Worte, es ist Pantomime und Tanztheater.
Alle haben tatsächlich aber auch individuell ausgeprägt Charaktere, das ist auch schön erspielt. Auch die grauen Anzüge sind im Detail unterschiedlich gearbeitet. Man kann diesem Kammerspiel, dieser Kammerpantomime schön zusehen, neues Entdecken – oft auch ganz wörtlich. Also wenn da einer aus der Reihe tanzt, oder einer alleine abheben will – und es nur mit Hilfe der anderen schafft.[…]Bei der Frage, ob hier am Ende eine Geschichte erzählt wird, gibt es vielleicht einen Punkt, an dem sich die Geister scheiden. Die einen sagen ‚zu konkret‘, die andere sagen ‚gerade richtig‘ in dieser Inszenierung von Katerina Vlasova und Amadeus Pawlica. Beide sind Anfang 30, also noch jung und arbeiten seit drei Jahren als Choreografen-Duo zusammen, übrigens auch nicht zum ersten Mal in Altenburg-Gera. Und sie bleiben hier eben sehr abstrakt. Man kann das, was sie sagen – also EU, Populismus, Brexit – alles mitdenken und auch entdecken. Man kriegt es aber auch nicht zu deutlich aufs Brot geschmiert.

Ich finde diese Abstraktheit besser als die konkrete Bilder, weil die Bilder einfach dadurch größer sind und es am Ende auch eine Schöpfungsgeschichte mit biblischen Ausmaßen sein kann, diese Europageschichte, die hier erzählt wird.
Stefan Petraschewsky, MDR Kultur

„Uraufführungen sind im Theater Altenburg selten. Am Sonntag war eine dieser rar gesäten Premieren. Zum ersten Mal wurde das Stück „Clowns“ gezeigt. […] Doch um es vorweg zu nehmen, am Ende hat wohl jeder Gast das Theater mit einem Lächeln verlassen.

Hauptsächlich zu Kompositionen von Philip Glass, aber auch zu Ludwig van Beethoven oder Wolfgang Amadeus Mozart führten die Darsteller vom Landestheater und vom rumänischen Teatrul National eine Art Tanzperformance auf. […] im zweiten Teil nach der Pause bewiesen die Darsteller bei den pantomimischen Darbietungen ihr professionelles Können als Mimen. So brachten sie das Publikum zum Lachen und verleiteten es ein ums andere Mal zu Szenenapplaus. Das Lächeln in den Gesichtern blieb, bis der Vorhang fiel, der Premierenapplaus abgeklungen war und die Gäste im Dunkeln des Abends verschwanden.“

Jörg Reuter, Leipziger Volkszeitung

DIE JAHRESZEITEN (2018)

Regie: Axel Brauch

Choreografie: Vlasova / Pawlica

Bühne/Kostüm: Gesine Pitzer

Dramaturgie: Annika Pinter

Uraufführung: 15.03. 2018, Forum am Schlosspark, Ludwigsburg

Der Wechsel der Jahreszeiten ist eine grundsätzliche, kollektive, menschliche Lebenserfahrung.
Überall dort, wo es auf der Erde Jahreszeiten gibt, beeinflussen sie unser Leben, unseren Rhythmus, unser Verständnis als Mensch. Sie prägen und verändern unsere Vorstellungswelten, unseren Glauben und spielen deshalb in der Kunst und Kultur ein wichtige Rolle.
In Zeiten des Klimawandels und der globalen Erwärmung rückt für uns, als Künstler, die Beschäftigung mit den Jahreszeiten, die sich verändern, zu anderen Zeiten einsetzen, die Klimaflüchtlinge hervorbringen, Naturkatastrophen auslösen, Hungersnöte, Kriege um Wasser und dergleichen mehr, in den Fokus der künstlerischen Auseinandersetzung mit Joseph Haydns Jahreszeiten.
Es ist Zeit die optimistische Grundhaltung zu hinterfragen. Im Libretto des Oratoriums waren zunächst noch Texte über die Industrialisierung der Welt vorgesehen, zu denen Haydn allerdings nicht einfiel, wie er diesen „Lärm“ in Musik umwandeln sollte.
Er stilisierte das Landleben am Ende des 18. Jahrhunderts als höchstes Gut und die Naturverbundenheit als erstrebenswertes Ziel im Gegensatz zum Leben in den Städten. Deswegen fielen in der weiteren Arbeit diese Texte über Städte und Industrialisierung wieder heraus.
Für uns ist es interessant diese verlorenen, oder besser gesagt nie geschriebenen Passagen über die Industrialisierung der Welt wieder in das Stück hinein zu bekommen.
In Bezug zur heutigen Welt zu setzen.
Deswegen wird neben der Originalmusik Haydns auch eine Band hinzukommen, die eben diesen „Lärm“, das Geräusch, die Gegenwelt, musikalisch gestalten wird.
Anhand unserer Bearbeitung des Oratoriums „Die Jahreszeiten“ wollen wir den Zuschauer aufrütteln, den Planeten Erde, der unser aller Heimat ist, als schützenswert und gefährdet wahrzunehmen.
Und genau deswegen die Hoffnung nicht aufzugeben für eine bessere Welt zu kämpfen.

 

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NA ZD(O)ROWJE (2016/2017)

Zu jeder guten osteuropäischen Feier gehören Anstand, Folklore und viel Alkohol. Doch was geschieht, wenn man den ersten Knopf am Kleid aufmacht oder die Krawatte lockert? Der Abend wird länger, die Gäste werden lustiger und hemmungsloser. Gegenwärtige Grenzen lösen sich im Rausch auf.

Aber darf auf einer Trauerfeier getanzt werden?

Tänzer:
Noemi Emanuela Martone/Katerina Vlasova, Amadeus Pawlica/Lennart Huysentruyt

Tänzer abendfüllendes Stück:
Kihako Narisawa, Keith Chin

Uraufführung:
13.05.2016 Theater Osnabrück

10.07.2016 Theater Festival Lüneburg 2016
11./12.11.2016 TANZ KARLSRUHE 2016

 

Als abendfüllendes Stück:
29./30.09.2017 Gallus Theater Frankfurt
mit Kihako Narisawa und Keith Chin

07.11.2017 Theaterhaus Hildesheim

 

Presse:

Im September haben sie im Gallus Theater ihre erste Tanzproduktion »NA ZD(O)ROWJE« vorgestellt, ein amüsantes und bewegendes Sittengemälde mit starkem osteuropäischen Touch.“

Strandgut Magazin Frankfurt

 

NA ZD(O)ROWJE Trailer

NISI DOMINUS EST (2012)

Ein Auftragswerk für das Ballett des Badischen Staatstheater Karlsruhe.

Es beschäftigt sich mit den Fragen in wie weit wir uns manipulieren lassen. Wie manipulieren uns Medien, Wirtschaft, Religion und die Gesellschaft?
Wieso funktionieren wir manchmal nur einfach und wann durchbrechen wir diese Manipulation?

Tänzer:
Bruna Andrade, Barbara Blanche, Marketa Elblova, Xue Dong

Uraufführung:
09.06.2012 Badisches Staatstheater Karlsruhe